Die häufigsten Fehler in Industriali-sierungs-projekten

Industrialisierungsprojekte gehören zum täglichen Doing eines jeden produzierenden Unternehmens. In diesem Kontext können diese Art der Projekte von kleineren Anpassungs- oder Optimierungsthemen bis hin zu einer Beschaffung von verketteten Anlagen reichen. Die Basis ist jedoch für alle Projekte die Gleiche und ist für den Erfolg elementar wichtig. In der Praxis erlebt man leider immer wieder, dass die so wichtige Basis nicht geschaffen wird. Die häufigsten Fehler hierbei sind:

    – Ein unzureichendes Anforderungsmanagement
    – Ein fehlendes Lastenheft
    – Ein Beschaffungsprozess fokusfrei und nebenbei

Die aufgezeigten Fehler können durch einfache Tools und strukturierte Vorgehensweisen verhindert werden. In der Praxis haben sich nachfolgende Wege als zielführend erwiesen:

Unzureichendes Anforderungsmanagement

Die richtigen Anforderungen für das Projekt zu finden ist der erste Schritt für ein gutes Ergebnis und spart am Ende auch Kosten ein. Wie findet man diese?

Die Suche startet mit den Fragen nach:

  1. Problem – Um welches Problem | welche Veränderung | welche Optimierung handelt es sich?
  2. Quantität – Beispiele: Anzahl, Stückzahl, Losgrößen, Mengengerüste, Leistung, Durchsatz
  3. Qualität – Beispiele: Absicherungsparameter, Funktionsrelevanzen
  4. Forderung – Beispiele: Wartungs- und Reinigungsfreundlichkeit, Bedienoberfläche in x-Sprachen
  5. Wunsch – Beispiele: Höhenverstellung elektrisch

Wenn diese grundlegenden Fragen beantworten sind schließen sich nachfolgenden Detailfragen an:

  • Normen und Vorschriften – Sind Branchenspezifika vorhanden? | Sind Vorschriften einzuhalten?
  • Lösungswege – Sind für die Umsetzung Wege ausgeschlossen?
  • Stakeholder – Gibt es relevante Stakeholder, die berücksichtigt werden müssen?

Die acht Antworten dienen als Grundlage für die Erstellung eines Lastenheftes. Das Fehlen einen solchen Lastenheftes stellt einen weiteren Fehler in Industrialisierungsprojekten dar.

Fehlendes Lastenheft

Ein Lastenheft ist die Grundlage für die Konzeptionierung von neuen Prozessen oder Produktionsabläufen. Ist ein Lastenheft nicht eindeutig, unklar oder überhaupt nicht vorhanden, so können vorhandene Konzeptionen in der Regel nicht verglichen und Vor- und Nachteile gewichtet werden. Das Lastenheft ist dann ein gutes Lastenheft, wenn die Anforderungen, Prozessabläufe und Merkmale beschrieben sind. Die Beschreibung der Anforderungen sind mit den acht vorstehenden Fragen bereits erledigt. Für die Beschreibung der Prozessabläufe können Bilder oder Zeichnungen herangezogen werden. Die Liste der Merkmale, die beschrieben werden müssen, ist je nach Branche, Unternehmen und Kundenanforderungen verschieden. Eine Orientierung an möglichen Merkmalen ist nachfolgend gelistet.

    – Geometrie – Länge, Breite, Höhe, Raumbedarf

    – Kinematik – Geschwindigkeit, Bewegungsart und -richtung

    – Kräfte – Gewicht, Last, Stabilität

    – Energie – Leistung, Druck, Temperatur, Anschlussleistung

    – Signal – Ein- und Ausgangssignale

    – Sicherheit – Schutzsysteme, Sicherheitstechnik

    – Ergonomie – Mensch-/Maschinenbeziehung, Bedienung, Beleuchtung

    – Kontrolle – Mess- und Prüfmöglichkeiten

    – Gebrauch – Einsatzort, Verschleißarten

    – Instandhaltung – Wartungsfreiheit, Inspektionen, Instandsetzung

    – Recycling – Entsorgung, Beseitigung

    – Kosten – Anschaffungs-, Betriebs-, Werkzeug- und Instandhaltungskosten

    – Termin – Liefertermin, Produktionsstart

Sind die Anforderungen, Prozessabläufe und Merkmale im Lastenheft eindeutig beschrieben, so kann der nächste Schritt, die Beschaffung gestartet werden. Die Beschaffung bzw. der Prozess der Beschaffung ist der kostenintensivste Schritt im Industrialisierungsprojekt. Wenn hierbei die Fokussierung fehlt oder dies nebenbei geschieht sind Fehler das Ergebnis.

Beschaffungsprozess fokusfrei und nebenbei

Die Beschaffung stellt den Schritt der Umsetzung der Konzeption in „Stahl und Eisen“ dar. In der Praxis erlebt man es oft, dass dieser kostenintensive und endgültige Schritt von Mitarbeitern oder Abteilungen als Unterthema nebenbei erledigt wird und unter der Überschrift „es ist doch nur eine Bestellung“ abgestempelt wird. Es verbirgt sich jedoch wesentlich mehr dahinter.

Ein optimaler Beschaffungsprozess – unabhängig ob es eine interne oder externe Beschaffung ist – zeichnet sich durch eine sehr enge und kontinuierliche Verzahnung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer aus. Es sind in diesem Kontext widerkehrende Regeltermine und Freigaben unumgänglich. Im Detail kann dies in einem Meilensteinplan wie folgt gestaltet sein:

    Meilensteinplan

    – Meilenstein 1 – Bestellungen ausgelöst

    – Meilenstein 2 – Konzeptionsabnahme

    – Meilenstein 3 – Konstruktionsfreigabe

    – Meilenstein 4 – Vorabnahme

    – Meilenstein 5 – Vorserienabnahme inhouse

    – Meilenstein 6 – Produktionsstart

Werden den drei Fehlerquellen mit einer systematischen und strukturierten Vorgehensweise unter dem Einsatz von einfach Tools begegnet, dann steht einer erfolgreichen Projektumsetzung nichts im Wege.