In 12 Schritten zur Montage-system-gestaltung

Die Anforderungen an die Gestaltung eines Montagesystem sind in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Es sind neben den wirtschaftlichen sowie technischen Anforderungen auch immer mehr die Arbeitnehmersichten in den Vordergrund gerückt. Diese Entwicklung führt dazu, dass im Prozess der Gestaltung von Montagesystemen ein breites Wissen an Methoden, Fachspezifika und Umsetzungserfahrung vorhanden sein muss. Dieser Prozess erfolgt in vielen Unternehmen, insbesondere, wenn die Funktion des Industrial Engineering nicht stark ausgeprägt ist. Dadurch ist das Risiko der Entwicklung eines suboptimalen Montagesystem groß, da die Prozesse unstrukturiert sind und der Einsatz von unterstützenden Methoden nicht vorhanden ist. Diesem Risiko kann mit einem strukturierten Vorgehen aktiv entgegengewirkt werden. Der von mir erarbeitete 12-Schritte-Plan soll Ihnen helfen das beste Montagesystem für Ihren Anwendungsfall zu entwickeln. Der Plan verfolgt dabei das Ziel, die Lösung zu entwickeln, die

     – technischen, organisatorischen und personelle Aspekte berücksichtigt,

     – zu einer hohen Effektivität und Effizienz führt,

     – einen wirtschaftlichen Automationsgrad bestimmt,

     – die Investitionskosten abschätzt,

     – und final die wirtschaftlichste Variante ist.

Der 12-Schritte-Plan - Analysephase

Schritt 1

Situationsanalyse

Die Situationsanalyse dient der Findung des Überblicks für die anstehende Aufgabe. Des Weiteren sollen hierbei auch die vor- und nachgelagerten Prozesse (beispielsweise die Materialbereitstellung im Unternehmen oder die Anforderungen der Kunden) berücksichtigt werden. Es ist auch zu prüfen, ob bereits gleiche oder artverwandte Produkte im Unternehmen auf bereits entwickelten Montagesystemen gefertigt werden, um gegebenenfalls auf Erfahrungen zurückgreifen zu können.

Schritt 2

Anforderungsdefinition

Im Anschluss an die Situationsanalyse sind die Anforderungen zu definieren. In diesem Schritt werden wichtige Rahmenbedingungen für das Projekt zusammengetragen, die als Basis für die weitere Planung dienen. Dabei sind beispielweise Themen zum maximal vorgesehenen Investitionsvolumen, zum möglichen Standort des Montagesystems oder zur vorgesehenen Fläche zu bearbeiten.

Schritt 3

Datenanalyse

Im Rahmen der Datenanalyse werden alle relevanten Daten für das anstehende Projekt zusammengetragen. Es wird der Bezug zum Produkt, zu Volumengerüsten, zu Variantenbildung, zur Beschaffungsseite, zu Produktionsplanungsdaten wie auch zu Standortfaktoren genommen.

Schritt 4

Zielkonkretisierung

Die Konkretisierung der Ziele ist die weitere Vertiefung der Ergebnisse aus Schritt 2 und soll die Ziele an das Montagesystem klar definieren.

 

Der 12-Schritte-Plan - Konzeptphase

Schritt 5

Brainstorming und Ideensammlung

In der betrieblichen Praxis gibt es nicht die eine richtige Lösung! Es ist daher hilfreich, bevor man in eine Planung einsteigt ein Brainstorming durchzuführen. Die dabei aufkommenden Ideen können im weiteren Verlauf zu einer neuartigen und eventuell innovativen Lösung führen.

Schritt 6

Montage-Grobplanung

Die Montage-Grobplanung gibt erste Indikatoren, in welche Richtung sich das Montagesystem entwickelt. Es werden Frage zum Automatisierungsgrad, zur Teileanzahl, zu Personalkosten wie auch zu Schwierigkeiten in den Montagevorgängen beantwortet. Mit Hilfe einer Bewertungsskala und Darstellung der Ausprägungen in Form einer Matrix kann am Ende ein Grobkonzept abgeleitet werden.

Schritt 7

Anforderungsmanagement

Der nächste Schritt dient zur ersten Verifizierung des Montagesystems im Bezug auf die definierten Ziele.

Schritt 8

Detaillierung Montagsystem

Ist Schritt 7 erfolgreich absolviert, wird im Schritt 8 das Montagesystem detailliert. Es werden unter anderem die Betriebsmittel ausgelegt, die Arbeitsorganisation bestimmt, Investitionskosten abgeleitet und der notwendige Personalbedarf ermittelt.

 

Der 12-Schritte-Plan - Umsetzungsphase

Schritt 9

Lastenheft-Erstellung

Im Rahmen der Lastenheft-Erstellung sind die zu beschaffenden Betriebsmittel und Anlagen detailliert zu beschreiben, so dass die Beschaffung angestoßen werden kann. Es ist hierbei wichtig auch die qualitativen Rahmenparameter zu beschreiben.

Schritt 10

Realisierung und Umsetzung

Die Realisierung und Umsetzung beinhaltet die Beschaffung des notwendigen Equipments, die Schulung der Mitarbeiter, die Erstellung der Arbeitsunterlagen, den Aufbau des Montagesystems wie auch die Durchführung der ersten Serie (Nullserie).

Schritt 11

Inbetriebnahme

In Schritt 11 wird das Montagesystem an die Prozessverantwortlichen übergeben. Dies bedeutet, dass das Montagesystem getestet sowie die Nullserie erfolgreich abgeschlossen wurde. Des Weiteren sind die Ziele erfüllt und wurden mit belegbaren Daten auch im Zuge der Übergabe nochmals überprüft.

 

Der 12-Schritte-Plan - der erfolgreiche Abschluss

Schritt 12

Lessons Learned

Abschließend wird im Zuge des Lessons Learned eine Erfolgskontrolle durchgeführt. Die Ergebnisse daraus werden in den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingesteuert und in der Projektdokumentation festgehalten, so dass weitere Mitarbeiter aus dem Unternehmen daraus Ihren Nutzen ziehen können.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des 12. Schritts wird das Projekt abgeschlossen, da nach erfolgreichem Systemanlauf die Verantwortung vom Projektleiter auf die Prozessverantwortlichen übertragen wurde.

Fazit

Der hier skizzierte 12 Schritte Plan unterstützt Sie aktiv bei der Entwicklung eines neuen Montagesystems. Es ist jedoch zu beachten, dass die Schritte im Detail unternehmensspezifische Inhalte berücksichtigen müssen, so dass je nach Anwendungsfall unterschiedlichsten Einflussgrößen für ein anforderungsgerechtes System erarbeitet werden müssen und nicht Pauschallösungen herangezogen werden können.